SCIL-Kongress 2008
Mai 27, 2008
Vergangenen Donnerstag und Freitag (22. und 23. Mai) war ich auf dem SCIL-Kongress hier in St. Gallen. Ein Heinspiel also, denn das Swiss Centre for Innovations in Learning ist unmittelbar an meinen Arbeitgeber, das Institut für Wirtschaftspädagogik der Uni St. Gallen angegliedert. Unseren Beitrag „Designing activity-based Learning Envrionments from a Student Perspective“ hatte ich zusammen mit Tom allerdings schon eingereicht, bevor ich überhaupt an eine Bewerbung in St. Gallen gedacht hatte.
Zunächst zu meinen persönlichen Kongress-Highlights:
- Gefallen hat mir der Versuch, neue Interaktionsmodi in die Sessions zu bringen. Wir waren in einer Round-Table-Session. Die Idee, sein Thema kurz vorzustellen und dann in einer Kleingruppe (rund 4 bis 6 Personen) zu diskutieren, war für mich als Referenten eine grössere Bereicherung als das kurze Feedback nach einem 20-minütigen Vortrag. Eine Herausforderung ist es bei diesem Format, die richtige Balance aus Input und Diskussion zu finden. Bei zu wenig Input bleibt die Diskussion leicht nur an der Oberfläche und bei allgemeinen Fragen; zuviel Input kann sie aber auch gleich ersticken. Insgesamt jedoch ein empfehlenswerter Ansatz.
- Interessant fand ich auch den Austausch mit Wirtschaftsvertretern. Für mich erstaunlich: Owohl wir ein Thema aus dem Gebiet Hochschuldidaktik präsentiert haben, bekamen wir starke Resonanz gerade aus der Wirtschaft. Auch der Postconference-Workshop „Effective Learning Governance: How can I become a credible Business Partner?“, den ich besuchte, hatte einen klaren Business-Fokus. Gerade die mir nicht so vertraute Frage, wie Bildungsinitiativen in (Wirtschafts-) Organisationen effektiv verankert werden können, fand ich doch sehr spannend.
Und dann hab ich natürlich auch noch nicht so positives anzmerken:
Eher enttäuscht war ich von den beiden Keynotes von Julie Little (Educause) und Graham Attwell, denen ich beide mit Spannung entgegengesehen hatte. Ich hatte mir ja einiges an Web2.0 und NetGeneration Buzzwording erwartet – dagegen hätte ich im Grunde auch nichts gehabt. Nur eine derart oberflächliche und rein auf Technologie fixierte Darstellung wie sie etwa Frau Little geliefert hat fand ich schon grenzwertig. Lachen musste ich über den Hinweis, dass sich Podcasts ja wunderbar zum Mastery Learning eignen würden – wenn man sie sich dreimal anhört. Soviel zur Education 3.0 (Titel der Keynote: New Learning Scenarios for Defining Education 3.0). Bei dem Potenzial, dass die neuen, mit dem Web grossgewordenen Lernenden mitbringen, fragt man sich, wozu es die Erziehungswissenschaften und Didaktiker überhaupt noch braucht. An sich sollten die New Learners ja von sich aus motiviert, (lern-) kompetent, selbstinitiativ und -verantwortlich sein.
Im Ernst und ohne Polemik: Ich finde es schade, dass Hypes wie der aktuelle des Web2.0 derart ausgeschlachtet werden. Denn damit provoziert man eventuell eine stark ablehnende Haltung gegenüber Technologien, mit deren Hilfe sich Lernen tatsächlich sehr effektiv unterstützen lässt. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass man diese Technologien als Werkzeuge nutzt um einen psychologischen Prozess zu unterstützen und dass die Technologien nicht den Lernprozess an sich zum Selbstläufer macht.
Diese beiden Keynotes waren also eher eine Enttäuschung, wohingegen die übrigen Keynote-Redner aus der Wirtschaft bisweilen ganz interessante (Praxis-)Beiträge lieferten.
Fazit: Für mich ein guter Kongress mit vielen interessanten Gesprächen, eben gerade auch mit Wirtschaftsvertretern. Dazu noch mein persönlicher „Heimvorteil“ hin in St. Gallen gepaart mit Besuch aus Augsburg – schön.
Entry Filed under: Uni / Studium. Schlagworte: scil, scil congress.
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1.
Reinmann | Mai 29, 2008 at 1:48
Vielleicht ist das ja die neue Formel für 3.0 – dreimal anhören, dreimal lesen ….?
Könnte ja sein ….
Danke für den interessanten Bericht!
Gabi