GWPs Tagung
Februar 1, 2008
Ich befinde mich gerade auf der Tagung der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie in Olten in der Schweiz. Leider gibt es kein WLAN, aber immerhin Netzzugang in den Computerräumen der Fachhochschule.
Gehört habe ich bisher die Eröffnungsreden sowie die erste Keynote. Für mich interessant war vor allem der Eröffnungsbeitrag von Prof. Eberhard Ulich zur gesellschaftlichen Bedeutung angewandter Psychologie. Herausgehoben wurde dabei der Aspekt der (psychischen und physischen) Gesundheit als Folge der Arbeitsgestaltung. Hier tun sich natürlich auch Bezüge zu der Frage auf, wie Bildungskontexte sinnvoll(er) gestaltet werden können. Einmal mehr bestätigte der Vortrag (mit empirischen Daten) die Annahme, dass die Erfüllung grundlegender Bedüfnisse wie soziale Eingebundenheit, Autonomie und Wirksamkeitserleben entscheidend für die psychische und auch physische Gesundheit sind.
An der Keynote von Prof. Heinz Schüpbach (”Kooperation & Teamarbeit: Nur angesagte Nettigkeit oder rational begründbare Entscheidung) konnte für mich vor allem die rhetorische Gestaltung des Einstiegs überzeugen: In einem virtuellen Dialog zwischen Taylor, Mayo, Herzberg und Bomforth stellte Schüpbach unterschiedliche Positionen zum Prinzip Kooperation in der Arbeit übersichtlich und kompakt dar. Mich als quasi-Laien auf dem Gebiet hat er damit jedenfalls “bei der Stange” gehalten. Interessant war ferner ein Kurzstatement zur Lage der anwendungsorientierten (psychologischen) Wissenschaft, die unter der aktuellen Betonung theoretischer (Experimental-) Forschung wesentlich zu leiden habe. Als Beispiele führte er die aktuelle Berufungspraxis an deutschen Hochschulen(starket betonung von Zitations-Indizes) ebenso an, wie die Zugangskriterien zu wichtigen Fachjournals. Gabi scheint mit ihrem Apell gegen eine reine “Forschung danach” also keineswegs alleine dazustehen…
So, die Workshops und die letzen Panels für heute sind vorbei. Gleich noch eine Keynote. Der Workshop, den ich gewählt habe, hatte ein altbekanntes Thema: Das Verhältnis von Wissenschaft und Wirtschaft. Durchgeführt wurde er in der sog. World-Cafe-Methode, bei der man in einer Gruppe ein Thema behandelt und dann zu einem anderen Tisch wechselt. Einer aus der Gruppe bleibt sitzen usw. Ich muss sagen, ganz entgegen den Erwartungen, habe ich viele neue Standpunkte mitbekommen. Eine wichtige Erkenntnis: Bei Kooperationen sollte wenn möglich vorher klar sein, dass u. U. unterschiedliche Interessen verfolgt werden. Der Prozess der Zielfindung muss daher iterativ ablaufen und immer wieder neu behandelt werden. Also ein beständiges Abstimmen von Zielen, Interessen und Standpunkten. Wichtig sei auch Vertrauen zwischen den Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Ob man das aber von vorn herein haben kann? Naja, das Thema ist jedenfalls ein Dauerbrenner.
Die zweite Keynote von Dr. Oliver Strohm hat mir das Beratergeschäft etwas sympathischer gemacht
. In seinem Vortrag zeigte Strohm pragmatisch und “down to earth” verschiedene Facetten von Beratung und distanzierte sich vom - wie er selbst es nannte - “Metaplanclown”.
Mein rückblickendes Fazit zur Tagung: Für mich war es sehr interessant, obwohl, oder gerade weil die angewandte Wirtschaftspsychologie nicht genau das Themengebiet ist, in dem ich mich (derzeit) bewege. Den Ansatz einer interventionsorientierten (Arbeits- und Organisations-) Psychologie finde ich äußerst spannend. Die Tagung war angenehm und ich habe mich - obwohl Studierender und einer der, wenn nicht der Jüngste Referent, wohl gefühlt.
Entry Filed under: Uni / Studium. Schlagworte: GWPs Tagung.
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