Archive for September 2007
Open Access?!
Open Access – der Titel von Gabriele Begers Keynote auf der GMW und ein Kommentar zu den Konferenzgebühren auf der GMW in Gabis Blog haben mich nun doch dazu gebracht, mal über den Zugang zu Tagungen und Kongressen für (noch) nicht Wissenschaftler nachzudenken.
Ein Blick auf mein Konto nach einem Monat mit zwei Kongressen verheist zumindest schon mal nichts Gutes: Auf die Dauer könnte ich mir als Student den Besuch wissenschaftlicher Tagungen nicht leisten. Dabei bin ich in der ausgesprochen glücklichen Lage, die Tagungs-, Reise- und Übernachtungskosten erstattet zu bekommen. Das ist ein Luxus, den nicht jeder Studierende hat. Über die GMW will ich hier jedoch nicht herziehen, denn im Vergleich mit anderen Tagungen sind die Gebühren für Studierende hier noch moderat und immerhin gibt es die Möglichkeit, sich auf Stipendien zu bewerben.
Generell ist aber schon zu Fragen, ob es für das „System“ Wissenschaft nicht lohnenswert wäre, sich gegenüber Studierenden mehr zu öffnen. Immer wieder hört man doch Klagen über fehlenden wissenschaftlichen Nachwuchs und eine Tendenz, die Hochschule nicht als akademische, sondern als berufsvorbereitende Ausbildung zu sehen. Tagungen und Kongresse sind auch in Zeiten von Weblogs noch immer der Ort, an dem man ein lebendiges Bild von der Wissenschaftswelt bekommt und einen Eindruck davon, wie dieses System „tickt“. Keineswegs will ich dabei behaupten, dass jeder Studierende, der einmal eine Tagung besucht hat, zum Wissenschaftler wird. Allerdings halte ich es schon für wünschenswert, interessierten Studierenden wenigstens die Chance zu geben, Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb zu ermöglichen.
Auf der GMW hatten wir mit unserem Workshop jedenfalls versucht, Studierende anzusprechen – mit sehr bescheidenem Erfolg. Nun gut, nicht jeder Studi will und soll einen wissenschaftlichen Kongress besuchen, aber wenn man annimmt, dass es doch einen gewissen Prozentsatz interessierter Studierender „da draußen“ gibt, fragt man sich schon, ob deren Teilhabe am wissenschaftlichen Betrieb wirklich erwünscht ist. Ich halte es jedenfalls für bedenkswert ob man Studierende auf wissenschaftlichen Tagungen haben will und, wenn ja, wie man einen wirklichen „open Access“ gestalten kann. Den Ansatz der GMW, Stipendien zu vergeben, finde ich übrigens gar nicht schlecht.
6 comments September 21, 2007
Live-Blogging von der DeLFI-Tagung 2007 (Siegen)
Ich sitze gerade im Workshop „e-Learning 2.0: Web 2.0 and Social Software in Technology enhanced Learning“ und will mal versuchen, live die wichtigsten Inhalte zusammenzufassen, also bitte keinen perfekten Text erwarten.
Schön ist schonmal, dass die Teilnehmer via Online Mind-Mapping Tool die Inhalte der Vorträge mitmappen. Die Uni hat speziell dafür ein freies WLan-Netz eingerichtet. Super einfach und ganz ohne VPN-Umweg.
Inhaltlich kann ich bis jetzt sagen, dass „unsere“ Ansätze, die wir im Begleitstudium verfolgen, durchaus ein Thema in der e-Learning-Community sind. Reflexion und Assessment sind prominente Schlagworte und der Begriff der Learning-Community ist bisher in allen Beiträgen gefallen. Dennoch erscheint es so, dass die Beiträge doch stark punktuell auf die Potenziale einzelner Web 2.0-Tools abstellen, nach dem Modell: Blogging kann das und das, Wikis eignen sich für folgendes.
Hier sehe ich eine Abgrenzung zum Konzept des Begleitstudiums, das ja versucht das projektzentrierte Lernen mit beliebigen Tools und Applicationen zu unterstützen, ohne sich speziell auf die Funktion einzelner Werkzeuge zu konzentrieren. Ich bin daher schon gespannt, wie die Reaktionen auf meinen Vortrag zum Einsatz von E-Portfolios im Begleitstudium aufgenommen wird (bin gegen 13:20 Uhr dran).
Interssant finde ich in den ersten beiden Vorträgen zum social Tagging die irgendwie vorausgesetzte Annahme, dass Tagging alleine zur Community-Bildung führen kann: Social Tagging bündelt Interessen und Motive und führt so zur Herausbildung von Gemeinschaften. Diese Argumentation ist aus Sicht der Selbstbestimmungstheorie zwar einleuchtend, aber ich denke, man sollte die Prozesse der Community-Bildung doch etwas differenzierter Betrachten. Z. B. wäre für mich im Kontext Hochschule wichtig, den Zusammenhang zwischen inhaltlichem Input und dem Erwachen von Interesse zu untersuchen.
So, die Diskussion zur ersten Session wurde gestartet. Interessanter Weise wird die aktuelle Frage nach der Umsetzung von „E-Learning 2.0″ hauptsächlich auf der Ebene technischer Partizipationsmöglichkeiten diskutiert. Ich werde gleich mal Fragen auf welchen Content sich denn z. B. Social Tagging bezieht. Denn die Frage nach Veranstaltungsformen und Lernsettings geht hier irgendwie unter. Ich habe gefragt, auf welche didaktischen Szenarien sich das Tagging bezieht und was mit eventuell enstehenden (Interessen-)Communities passiert. Community bezieht sich allerdings eher auf die Gemeinschaft aller Lernenden innerhalb einer klassischen Lehrveranstaltung, das Tagging dient also vorranging der Navigation.
Jetzt die interessante Frage eines Teilnehmers, wie Lernen tatsächlich mit Web 2.0 gefördert werden soll mit dem Hinweis, dass neue Formen der Informationsverarbeitung und -darbietung nicht die Lernkultur ändert. Schlagwort ist gerade Pädagogik 1.0 mit Technik 2.0 – sehr spannend.
Interessanter Beitrag im Vortrag Blogging zur Erhöhung der Lernmotivation: Beim Einsatz von Aufgaben, die in Blogs gelöst werden, wurden nur auf das Assessment hin bearbeitet (d. h. es wurde nicht für die Community geschrieben, sondern für den Lehrenden). Der Vortrag kommt jetzt zum ARCS-Modell und zur Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan), was ich persönlich nicht so spannend finde. Aber die Lösung, wie intrinsische Motivation erreicht wurde interssiert mich natürlich.
So ich habe meinen Vortrag hinter mir. Das Interesse schien mir recht groß zu sein und es gab eine ganze Reihe Fragen, vor allem zur Anrechnung von Credits und zu Frequenz und Umfang von Reflexionsprozessen. Das Thema Reflexion ist also tatsächlich äußerst wichtig und wir sollten uns noch intensiv damit auseinandersetzen wie wir Reflexionsprozesse zukünftig noch besser unterstützen können.
Der folgende Vortrag beschäftigt sich mit Scaffolding, ist also aus meiner Sicht wieder sehr interessant. Es geht um die Unterstüztung selbstregulierten Lernens und die dazu notwendigen Fähigkeiten, Information zu selektieren, persistieren, organisieren und zu verwerten. Die TU-Darmstadt hat dazu ein interessantes Tool entwickelt, das man sich durchaus näher ansehen sollte.
Aktuell läuft der Vortrag zum System eStudy der FH Gießen. Ein Studierendenportal (I) von Studierenden entwickelt und (II) auf Ajax-Basis. Das Ding beeindruckt mich, weil es alle sinnvollen Web 2.0 Features in einer umfassenden Verwaltungsplattform zu integrieren scheint. Und das ganze ganz individuell und nachfragebasiert zusammengestellt. Integriert ist das ganze in ein Planspiel, wobei mich gerade fasziniert, dass 60% der Bachelor- und Master-Leistungen in der Informatik in Gießen projektbasiert erbracht werden. Interessant auf der Plattform ist, dass sie verschiedene Anbindungsmöglichkeiten „nach außen“ und „innen“ als sinvolles Mesh-Up bereitstellt. So kann man z. B. Literatur aus der Plattform heraus mit anderen Web-Diensten (Amazon) suchen und gleich im Opac der Bibliothek suchen lassen. Fazit: Bei eStudy kann man sich sicher Anregungen für integrierte Plattformen holen.
Der letzte Beitrag für heute befasst sich mit einem Tool, mit dem man Videos Annotieren kann und ein Hypervideo erstellen. Das System enstpricht, so wie ich es verstanden habe, im Wesentlichen dem Knowledgebay Tools, allerdings kann man nicht nur einen Zeitpunkt verschlagworten, sondern auch einen Bereicht innerhalb eines Videobildes ein konkretes Objekt markieren und verschlagworten, eine Funktion, die – soweit ich mich erinnere – das eRIS-Tool von Ghostthinker anbietet (interessanter Weise wird das Tool gerade auch im Kontext Tennis vorgeführt). Man kann mit dem Tool auch weitere Lernmaterialien mit einem Video verschlagworten, also ein interessantes Tool, mit dem man multimodale Lernmaterialien miteinander verknüpfen kann.
So wir sind in der abschließenden Feedback-Diskussion. Zwischenfazit von mir: Didaktisch nicht wahnsinnig interessant (hier herrscht abschließen auch die allgemeine Einsicht, dass man derzeit doch eher technologiegetrieben arbeitet), aber es gibt viele interessante Tools, die wir uns genauer ansehen sollten.
1 comment September 17, 2007
Auf der GMW-Tagung 2007
Am Freitag bin ich von der GMW-Tagung 2007 in Hamburg zurückgekommen (heute werde ich nach Siegen auf die DeLFI-Tagung fahren). „Wir Augsburger“ waren mit Tom, Sandra, Hannah, Jojo, Urlich, Lutz Mauermann und natürlich Gabi und Frank stark vertreten, zumal sich auch Wolf Hilzensauer (Salzburg Research, Doktorand bei Gabi) unserer Truppe anschloss.
Zusammenfassend kann ich sagen: Wow! Es war wirklich viel geboten, man konnte zahlreiche Leute sehen, von denen man sonst nur die Namen kennt und auch inhaltlich nehme ich einiges mit.
Meine (unsere) Highlights waren natürlich unsere eigenen Beiträge (Pre-Conference Workshop, Vortrag und Panel) aber auch die Keynotes von Gabriele Beger (Thema: Open Access), Norbert Bolz (Thema: Studieren 2.0) und Piet Kommers (Thema: Learning Amongst the Young Generation in the New University). Die aus meiner Sicht besonders interssanten Session-Vorträge hier aufzuführen würde zu weit führen….
Der Workshop: Unser Workshop am Dienstag und Mittwoch war leider nicht besonders gut besucht, die Teilnehmerzahl lag bei 5 bzw. 4 am Mittwoch. Nichtsdestoweniger hatten wir engagierte und interessierte Diskussionen und am Ende ein – aus meiner Sicht – ganz produktives Ergebnis: Noch vor Weihnachten wollen wir uns in einer Runde mit der FH Oberösterreich und der Uni Stuttgart zusammensetzen, um Möglichkeiten studentischer Projektarbeit und v. a. deren Verknüpfung mit dem Curriculum weiter durchzudenken.
Der Vortrag: Unseren Vortrag zum Begleitstudium hielten Sandra und ich. Die Session war gut besucht und das Thema schien recht gut anzukommen. Unser Ansatz scheint doch recht einzigartig, auch wenn es an mehreren Hochschulen Versuche zur Einbindung von Studierenden in die Entwicklung von Lehre und Hochschulentwicklung gibt.
Das Panel: Die Paneldiskussion zum Thema „Ideenlose Hochschullehrer? – Wege und Umwege zum kreativen Lernen“ war auch diesmal unter Gabis „Regie“ aufwändig mit Videoankern aufbereitet und strukturiert. Neben der – an Ort und Stelle für mich eher unangenehmen – Tatsache, dass ich des Öfteren in den Ankern vorkam, hatte ich den Eindruck, dass die Diskussion eher schleppend verlief. Das lag zum einen am Thema: über Kreativität kann man hervorragend Grundsatzfragen aufmachen (Was meine ich eigentlich mit „kreativ“?). Zum anderen hatte ich aber auch den Eindruck, dass der enge Zeitrahmen eine beherzte Diskussion manchmal verhinderte (Sebastian Fiedler hatte schon ein paar sehr leidenschaftliche Beiträge, die dann leider nich ausgefochten werden konnten). Und eigentlich dürften bei so einem Panel schon die Fetzen fliegen…
Interessant war natürlich auch die Aufzeichnung des Panels mit Live-Stream ins Netz und Tagging. Was leider nicht so ganz funktionierte was das simultane Anlegen eines Inhaltsverzeichnisse, das hat (vor allem) Tom und mir noch ein paar Stunden Nacharbeit beschert. Dennoch ist es schon fasziniernd, wie Ulrich mit der Anycast die Aufzeichnung von drei Kameras live geschnitten hat und das Panel praktisch sofort im Internet zur Verfügung stand.
Best Paper-Award: Zu guter letzt haben wir am Freitag noch die Auszeichnung für das beste Paper der Tagung erhalten. Das war schon schön, auch wenn Gabi leider nicht mehr da war. Tom hat sich denke ich sehr gefreut – er hatte mit Gabi den größten Anteil am Verfassen des Artikels – und bei der Danksagung besonders betont, dass zwei Studierende (Sandra und ich) an dem Text mitgewirkt haben. Alles in allem eine wirklich schöne Auszeichnung, vor allem weil wir auch von vielen Leuten persönlich beglückwünscht wurden.
Fazit: GMW07 war ein Erlebnis und ich bin froh, dass ich mit dabei sein konnte.
1 comment September 16, 2007